Petra Reiter

100 km del Sahara. Zu Fuß durch die trockene Wüste in Senegal
Am 25.04.2015 bin ich nach Senegal-Dekar geflogen, um dort an einem Wüstenlauf teilzunehmen.
103 Km an 4 Tagen.
Am 27.04.2015 startet ich mit 49 Teilnehmern aus ganz Europa zu dieser für mich außergewöhnlichen Lauf Expedition.
Die Wüste in Senegal übt wegen, extrem heißen schon fast tropischen Klima ihrer vielseitigen Landschaft eine große Faszination aus.
Sand, Staub, Stein und Wind sind ständige Begleiter. 48 Grad ohne Schatten und 100 Prozent Stille.
Diese extremen Bedingungen und diese einzigartige Natur zu erleben dürfen, haben mich zu diesem Abenteuer veranlasst.
Die endlosen Sandebenen und abgelegenen Wüstendörfer bildeten eine atemberaubende Kulisse bei diesem Lauf.
Es ist Montag 27.04.2015. Insgesamt 49 Läufer aus aller Herren Länder haben sich am Start in der Wüste versammelt. Mittendrin stehe ich. Mächtige Sanddünen umgaben mich.
Es war ein tolles Gefühl endlich starten zu dürfen.
13 km sind zu bewältigen. Fast 4 Monate habe ich mich intensiv auf diesen Lauf vorbereitet, körperlich wie mental. Jetzt sind es nur noch ein paar Minuten bis zum Start.
Die Stimmung war großartig.
Um 8:30 Uhr ertönt endlich der Startschuss.
„Mach langsam“, sagte ich mir. Ein zu schnelles Loslaufen kann in Anbetracht der 4 Etappen fatale Folgen haben.
So lief ich die ersten Kilometer über sandige Anstiege. Ein Gefühl des Glücks und der Freude durchfuhr mich. Nach 1 Stunde und 36 Minuten hatte ich glücklich das Ziel erreicht. Es herrscht eine faszinierende Atmosphäre.
Party J
Die erste Berührung mit dem Sand und Klima ist vollbracht. Gespannt und Respektvoll bereitete ich mich auf die nächste Herausforderung vor. Der Wüstenmarathon steht vor der Tür.
42,2 Km warten auf mich.
Schon um 6:30 Uhr ist Start. Ich schaue auf meine Lauf Uhr. Noch 5 Minuten. Die Luft ist jetzt zum Zerreißen gespannt. Der Veranstalter spricht noch ein paar Worte über Mikrofon zu uns Läufern. Zum wiederholten mal zupfe ich an meinem Laufshirt. Sitzt alles richtig? Habe ich auch alles dabei?
Schließlich erscheint der Song „We will Rock you“ von Queen.
Jetzt geht’s los. Mein Herz schlägt schneller. 42,2 km durch die Wüste, und ich werde das Ding durchziehen, sagte ich mir.
Dann endlich der Startschuss. 
In einem lockeren Laufschritt bewegte ich mich vorwärts. Die ersten Kilometer auf sandigem, welligem Gelände, waren gut zu meistern. Trotz großer Hitze und schwierigem Untergrund fühlte ich mich großartig.
Ich genieße die Natur. Ich sauge diese Momente voll und ganz in mich auf. Ein Lächeln huschte mir über den Mund und Glücksgefühle durchströmten meinen Körper. Ist es nicht ein absolutes Privileg, hier in dieser traumhaften Landschaft laufen zu dürfen?
Ich nehme einen Schluck von meinem Salzgetränk und immer wieder einen von meinem Isotonischen Getränk. „Bald hast du die hälfte des Rennens geschafft“, motivierte ich mich. Es lief wie am Schnürchen. Weiterhin genoss ich die faszinierende Landschaft.
Ich fieberte dem nächsten Verpflegungspoint bei Km 24 entgegen. Gedanklich strukturiere ich mir immer die gesamte Strecke in kleine Abschnitte. Das hilft mir ungemein, gerade wenn ich mich in einer Tiefphase befinde.
Es wird immer heißer. Die Sonne steht senkrecht über mir. Die Wüste bietet kein Schatten. Zudem war es sehr windig. Der warme Wind blies mir kräftig ins Gesicht.
Nun hatte ich die Verpflegungsstelle erreicht. Ich nahm mir ein stück Melone und etwas Wasser. Die Melone war köstlich.
Weiter ging es in der Stille der Wüste. Bis km 38 lief alles hervorragend. Plötzlich wurde mir schlecht. Ich reduzierte deutlich mein Tempo. Ich hatte mich übergeben und ging weiter. Noch 4 Km lagen vor mir. Doch daran verschwendete ich keinen Gedanken. Mein Fokus richtete sich immer nur auf den jeweils nächsten Schritt. Auf jeden einzelnen Felsen, den ich passierte. Ich war nur im Hier und Jetzt.
Ich fühlte mich deutlich besser und entschloss mich, wieder zu rennen.
Sofort spürte ich heftige Krämpfe in meinen Beinen. Niemals zuvor hatte ich Krämpfe. Jeder Schritt tat wahnsinnig weh. So grausam kann die Wüste sein.
Meter für Meter wanderte ich höher und weiter. Es war die Hölle.
Ich fühlte mich sehr müde.
Ich verlor viel Zeit. Über Sand, Geröll und Schotter bewegte ich mich weiter vorwärts. „Ist das endlich das Ziel?“
Emotionen überrollten mich, tränen flossen, Glücksgefühle durchströmten meinen ganzen Körper.
Kinder aus Senegal und die Läufer die schon im Ziel waren feuerten mich an und riefen meinen Namen.
Dann die allerletzten Meter. Nach 5 Stunden und 44 Minuten stoppte ich die Uhr. Ich habe es geschafft. Mit Worten kann ich nicht beschreiben, was in mir vorging. Tränen liefen mir über die Wangen. Ich war endlich im Ziel. Dieser Marathon hat mich mehr denn je über meine persönliche Grenzen gebracht und diese habe ich überwunden. Eine Wahnsinns Erfahrung, was man alles im Leben mit Willen und der Vorstellungskraft erreichen kann.
Am nächsten Morgen 29.04.2015 um 8:30 Uhr genoss ich den Start der neuen Etappe. Heute sind 27 km zu bewältigen.
Nach der gestrigen Erfahrung bin ich sehr vorsichtig losgelaufen. Ziel für heute „durchrennen.“
Mein ganzes Empfinden galt meinem Körper, meinen Beinen. Sobald etwas zwickte, lief ich langsamer. 
So nun hatte ich hochdosierte Salztabletten dabei, die ich stündlich zu mir nahm. Bei solchen anspruchsvollen Extremläufen ist das dringend notwendig.
Wieder waren es Temperaturen um die 48 Grad Celsius. Trotz der Anstrengung genoss ich jeden Meter. Ich bin betört von dieser grandiosen Schönheit der Natur. Dieser besondere Zauber, mit ihren schönen Farben und Formen, mit Steinen, Kristallen und Dünenmeeren deren Sand so fein ist wie Puderzucker. Wie an keinem anderen Ort, nahm ich eine erstaunliche Konzentrationsfähigkeit auf das Wesentliche wahr. Das unwichtige fällt schnell ab und das Leben bekommt eine neue Ausrichtung und Leichtigkeit. Ich kam mit meinem Wesen und das was mir wichtig ist in Kontakt.
Meinen Beinen ging es erstaunlich gut. Wenn du schon so viele Kilometer in diesem Terrain in den Beinen hast, kommen dir die 27 km im vergleich zum Marathon nicht mehr so ehrfurchterregend vor. Nur noch zwei Kilometer trennten mich vom Ziel. Mit Glücksgefühlen erhöhte ich das Tempo.
Ich reiße meine Arme in die Luft und freue mich wie ein kleines Kind, bei strahlend blauem Himmel, nach 3 Stunden und 36 Minuten über die Ziellinie zu laufen.
Unvorstellbar, wie schnell der Körper regeneriert. Ein Tag zuvor konnte ich nicht mehr rennen. Heute bin ich 27 Kilometer durchgerannt.
Donnerstag 30.04.2014 letzter Etappenstart um 8:30 Uhr. Ich fühlte mich stark genug um die letzten 21 km zu besiegen.
Gleich nach dem Start wartet ein steiler Anstieg auf die Läufer. Die Hitze lässt die Situation noch brutaler erscheinen. Meine Beine fühlten sich super an. Ich war etwas mutiger als der Tag zuvor und lief mit einem höherem Tempo.
Die Landschaftliche Kulisse war beeindruckend. An der einzigen Versorgungsstelle (km 12) blieb ich für einen kurzen Augenblick stehen und schaute mich um und erfreute mich an den weiten Sandebenen die in einem goldenen Licht erstrahlten.
So genoss ich jeden Kilometer mehr mit dem Gefühl der Freude, diese tolle Natur und diesen Lauf Leben und erleben zu dürfen. Die Gefühle überwältigten mich mehr und mehr. Zwei Kilometer vor dem Ziel war ich so stark berührt, von der Gewissheit, dass ich sogleich mein eigenes, großes Ziel erreichen werde.
Tränen rannen mir wieder über die Wangen….
Diese Emotionen kann ich nicht beschreiben. Es war wahnsinnig…
Dann die letzten Meter, ein einziger Genuss zu laufen. Dann die allerletzten Meter. Nach 2 Stunden und 19 Minuten stoppte ich die Uhr. Ich habe es geschafft. Unbeschreiblich mit Worten, was in mir vorging. Damit ging für mich ein großer Traum in Erfüllung. Dieser Lauf hat sehr vieles in meinem Leben zum Positiven verändert.
Als ich vor ein paar Jahren zum ersten Mal von so einen Lauf gehört habe, konnte ich mir die Dimensionen zunächst nicht vorstellen.
Ich fühlte mich wie im siebten Himmel. Ein toller Erfolg.
Von 50 Teilnehmern liefen 23 Läufer vor mir ins Ziel. Doch diese Tatsache interessierte mich überhaupt nicht. Nicht der Wettkampf war für mich entscheidend. Für mich steht die persönliche Erfahrung bei meinem Laufabenteuer im Vordergrund. Die sehr intensiven Lebensmomente bei meinem Wüstenlauf in Senegal. Sich an seine persönliche Grenze heranzuwagen und diese zu überwinden und zu erfahren.Einige der gestarteten Läufer erreichten nicht das Ziel. 
Insgesamt war ich 13 Stunden und 17 Minuten unterwegs und dafür bin ich sehr dankbar!

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